Die Unbeugsamen

Wir befinden uns im Jahr 2024 n. Chr. Der ganze Wald ist mit Schrankbrettergestalten besetzt... der ganze Wald? Nein! Eine kleine Gruppe von unbeugsamen Bäumen hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Zu ihnen gehören vier unerschütterliche Gefährten, die im Wind schaukeln und der Monotonie der uniformen Schrankbretter- und Pressholzgestalten mit aller Entschlossenheit trotzen.

Der erste unter ihnen ist „Hautdraufwienix“, eine kleine Krüppeleiche, die mit ihren verzweigten Ästen und krummen Stamm wirkt, als würde sie sich jeden Moment dem Betrachter in den Weg stellen und mit einem Stock schlagend zur Ordnung rufen. Trotz ihrer geringen Statur strahlt sie eine unverkennbare Präsenz aus und kämpft für die natürlichen Werte des Waldes, für die Freiheit, die aus der ungezähmten Natur entspringt – aber vielleicht prügelt er sich auch einfach nur gerne.

„Skoliotix“, der der schicksalshaft vom Blitz getroffen wurde. Sein gespaltenes Haupt erhebt sich in einem beeindruckenden Bogen über den Waldboden, wo die Äste tief im Erdreich verwurzelt sind und neue Bäume hervorbringen. Wie ein lässiger Regisseur verleiht „Skoliotix“ der Szenerie eine eigentümliche Anmut, während er gleichzeitig die Spuren eines gewaltigen Naturereignisses trägt, oder ihn plagen einfach nur furchtbare Rückenschmerzen.

„Multipersonix“, ist der skurrilste von allen. Mit drei Persönlichkeiten führt er einen ewigen Streit. Oben thront der Grimmige, der stets mit einem finsteren Gesichtsausdruck daherkommt, während unten ein spuckender Kobold, gerne dem Flachwitze erzählen zugeneigt in seinem hektischen Tun die Wurzelarbeit übernimmt. In der Mitte reckt ein flehender Teil von Multipersonix die Äste nach oben und betet „ihm möge doch endlich der Himmel auf den Kopf fallen“ um Ruhe von seinen launischen und nervenden Mitstreitern zu haben.

Und schließlich gibt es noch „Spuktfix“, die gespenstische Buche, die in der Dämmerung schleichend durch den Wald wandert. Mit viel Enthusiasmus versucht sie vergebens jedem Angst einzuflößen, muss jedoch feststellen, dass das Spuken ebenso gelernt sein will wie die hohe Kunst der Barden.

Gemeinsam bilden diese einzigartigen Bäume eine Wiederstandgruppe, die sich gegen die eintönige Monotonie des Waldes auflehnt. Sie befolgen nicht die Regeln der Zähmung, sondern erfreuen sich an ihrer Individualität, die ihnen eine Stimme verleiht in der weitläufigen Stille der hölzernen Besatzer. Ihre Geschichten erfüllen das Leben im Wald mit einem Hauch von Magie und Unberechenbarkeit und zeigen den Betrachtern, dass jeder Baum, ob krumm oder gerade, seine eigene Geschichte zu erzählen hat.

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Das Hauptsmoorwald Projekt