Das Hauptsmoorwald Projekt

…oder challenge accepted.

Stadtwald von Bamberg, Naherholungsgebiet, Sportstätte, Eldorado für Pilzsammler und ehemaliges Truppenübungsgelände - so ungefähr könnte man den Hauptsmoorwald kurz und knapp beschreiben.

Bei mir fristete der Hauptsmoorwald lange ein Nebendasein für meine Fotografie - ein Wald - bestehend aus Kiefern, aufgreit und stramm stehend wie große Zinnsoldaten, langweilig, fad und öde wirkend. Nichts besonderes, keine verschnörkselten Bäume, zu viel Brombeergestrüpp, zu viele Brennesseln, zu wenig Nebel und zu wenig WOW. Selbst die bekannten Wahrzeichen wie die Kunnigundeneiche, die Wenzeslauseiche und die Heinrichskiefer, schnurgerade nach oben gewachsen und fast langweilig dastehend, beeindrucken eher weniger.

Das erste mal aufmerksam wurde ich, als ein Biber deutlich sichtbar zu “wüten” begann und Umstrukturierungsarbeiten in seinem neuen Zuhause vornahm. Damals entstand auch mein erstes gutes Bild und mein Interesse wurde geweckt, um es kurz darauf gleich wieder zunichte zu machen. Von Waldarbeitern, mit Kettensägen bewaffnet, die Gefahr beseitigend, welche entstehen könnte wenn Bäume umstürzen und auf die nahe gelegene Straße und den Fahrradweg fallen.

Also wieder weg vom Hauptsmoorwald, hin zu anderen Wäldern, suchend - ja fast beinahe getrieben nach dem einen Bild mit dem “WOW Effekt”. Dem “Masterpiece” das alle Münder offen stehen lassen würde, so wie bei mir, wenn ich mir die Bilder anderer Waldfotografen anschaute. Ok, ab und an schaute ich doch mal wieder in den Hauptsmoorwald, nur um zu sehen was der Biber so anstellte und ob es sich vielleicht doch wieder lohnen würde die Kamera mitzunehmen. Ich musste feststellen, es lohnte sich wieder - zumindest ein bisschen.

Wie entstand aber nun mein Projekt, DAS Hauptsmoorwald Projekt? Ganz einfach, durch eine unbedachte, beiläufige Bemerkung einer Ausstellungsbesucherin im Jahr 2022. In dieser Ausstellung zeigte ich Bilder, welche im Steigerwald entstanden sind und wir kamen nebenbei ins Gespräch. Was für eine Kamera ich benutze, wieviel ich an den Bildern “bearbeitet” hätte, was das für ein Papier ist und wo diese Bilder entstanden sind, usw. usw. - und da fiel er - ganz beiläufig und unbedacht, der Satz, welcher das ganze Projekt ins Rollen bringen sollte:

“Na, solche Bilder kann man auch nicht im Hauptsmoorwald machen!”

Ok, dachte ich mir, überlegte kurz, nur um dann für mich ganz leise zu beschließen - challenge accepted!

Seit dem, mal wieder getrieben nach dem einen Bild, ist der Hauptsmoorwald mein Spielplatz. Der Ort den es zu erkunden und fotografisch festzuhalten gilt. Mal mehr - mal weniger gut gelingend, aber immer wieder neu, mehr und mehr faszinierend und bei genauer Betrachtung sich immer wieder auf´s Neue verändernd.

Die einzige Frage, welche ich mir nun nur noch stelle ist - wie lange wird es dauern, wann werde ich fertig mit diesem Projekt!? Ich befürchte - NIE! Denn wenn man erst mal drinn ist, sich darauf einlässt und beginnt zu sehen, findet man unendlich viele Möglichkeiten, neue Blickwinkel, faszinierend schöne Motive und plötzlich erscheinen einem auch die aufgereiten großen Zinnsoldaten nicht mehr öde und langweilig.

Auch sie haben es verdient, dass man auf den Auslöser drückt um sie für den einen Moment auf den Sensor zu bannen und auf Papier zu verewigen.

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Die Unbeugsamen